Ein magischer Ort mit einer beeindruckenden Geschichte

Wer die Existenz von mystischen Plätzen nicht anzweifelt, wird auf dem Gelände der Kupferkanne etwas von dieser Magie spüren, welche man ganz besonderen Orten zuschreibt. Das erkannten bereits die frühesten Bewohner der Insel. Sie wählten diese Landschaft aus, um ihre Häuptlinge in gewaltigen Grabanlagen zu bestatten und sicher auch, um hier heilige Handlungen zu vollziehen. In der Bronzezeit entstanden auf dem Gelände der heutigen Kupferkanne fünf Hünengräber in unmittelbarer Nachbarschaft, die von späteren Siedlern, die ca. ab 700 einwandernden Friesen "Stapelhooger" genannt wurden. Selbst in deren Sagen um Zwerge und Puken spielten die Grabhügel, die zur damaligen Zeit landschaftsbestimmend waren, eine Rolle. Die Stapelhooger gehörten einst zu den schönsten Grabhügeln der Insel mit prächtiger Fernsicht über das Wattenmeer. Sie enthielten oft mehrere Beisetzungen wobei die Asche der Verstorbenen entweder in Urnen bestattet oder die unverbrannten Leichen in Holzsärgen oder Steinkisten beerdigt wurden. Erstaunlich ist der Reichtum an Beigaben in den Gräbern der Asche.

Dies mag ein Grund dafür sein, warum die nachfolgenden Inselbewohner diese Gräber immer wieder plünderten. Dass von den fünf Stapelhoogern nur noch zwei existieren, allerdings sind auch diese nicht mehr intakt, hängt mit der jüngeren Inselgeschichte zusammen: ein Hügel wurde 1943 beim Bau eines Maschinengewehrstandes völlig durchgraben nachdem er bereits im 1. Weltkrieg als MG Stand zerstört war. Ein weiterer wurde abgetragen, um 1941 einem hölzernen Beobachtungsstand Platz zu schaffen, der dritte Hügel eingeebnet, um eine Betonplatte für Scheinwerfer zu bauen. Zwei weitere Hügel wurden 1952 von der Gemeinde Kampen restauriert, nachdem sie bereits im 19. Jahrhundert durchgraben waren. Jener Hügel, der sich rechts vom Eingang der heutigen Kupferkanne erhebt, gehört dazu. 1941 fand sich hier ebenfalls ein Beobachtungsstand der Wehrmacht und ein Ofen zum Fischräuchern(!) war in den Hügel eingegraben. Weitere irreparable Schäden entstanden, als am Ostrand des Hügels ein Unterkunftshaus und 1943 eine feste Steinbaracke (die heutige Kupferkanne) eingebaut wurden. Nach dem Ende des 2.Weltkrieges, wurden die Baracken Unterkunft für zahlreiche Flüchtlinge. So bemühte sich u.a. der Schriftsteller Ernst v. Salomon um eine Zuzugsgenehmigung und wurde in dem notdürftig umgebauten Bunker am Fuße der Stapelhooger eingewiesen. Er hatte außer seiner Schreibmaschine nicht viel dabei und es entstand der erste Bestseller Deutschlands nach dem Krieg, der autobiografische 1951 veröffentlichte Bericht, "Der Fragebogen". Und auch Günter Rieck der Gründer, der legendären Kupferkanne strandete hier. Er richtete ein Atelier, in dem er zum einen lebte und arbeitete aber auch zahlreiche Besuche anderer Künstler empfing. Die Genehmigung einer Ausschankkonzession wurde beantragt.

Diese wurde 1949 erteilt und es entstand die wohl originellste Bar, die es auf Sylt gab. Dies hing mit dem Charme, des Provisoriums zusammen, den die Kupferkanne ausstrahlte, aber auch mit dem Publikum, dass sich nach dem Krieg geändert hatte. Aus Berlin und Sachsen fehlten die Gäste, dafür kamen die Rheinländer in Scharen, die anstelle von Einsamkeit und Ruhe eher Geselligkeit suchten. Rieck begann, das freie und offene Gelände der Kupferkanne mit Kiefern (insgesamt 30.000 Stück) zu bepflanzen und damit einen Park zu schaffen, der später eines der Kennzeichen der heutigen Institution Kupferkanne wurde. Er konnte damals nicht ahnen, dass 50 Jahre später ein gewaltiger Sturm im Dezember 1999 diese Arbeit in einer Nacht bis auf wenige Reste zunichte machen würde. Härtere Arbeit war der Kampf mit den Behörden, denn die Gemeinde Kampen weigerte sich vermutlich aus Konkurrenzängsten der Alteingesessenen die Schankkonzession zu verlängern. Die Friesen, die der Zerstörung der Stapelhooger tatenlos zugesehen hatten, ereiferten sich plötzlich über die Pietätlosigkeit, neben historischen Gräbern wilde Zechgelage abzuhalten. Im Rechtsstreit unterlag die Gemeinde, die Entwicklung des gastronomischen Unikums war nicht mehr aufzuhalten. Die Kombination aus origineller Einrichtung, Gastronomie und Kunst kam an. Die Kupferkanne war in den 50er Jahren die Bar auf Sylt, in der sich die gesamte Prominenz traf. Hier kehrte neben Gunter Sachs und vielen anderen auch Berthold Beitz ein und lernte den Bildhauer Jean Sprenger kennen, bei dem er eine Plastik bestellte. Die beiden trafen sich in Essen wieder, wo Sprenger bei einem Bruder von Alfried Krupp wohnte, der sich dort ebenfalls zu einem Besuch aufhielt. Ein schicksalhaftes Kennenlernen, das In der Kupferkanne seinen Anfang nahm, denn mit Hilfe von Beitz wurde Krupp, einer der weltweit bedeutendsten Montankonzerne, wieder aufgebaut.

In der Kupferkanne haben viele Begegnungen stattgefunden und auch heute ist das Cafe unbestritten ein Treffpunkt aller Sylt Gäste. Im herrlichen Kaffeegarten mit dem traumhaften Blick über das Wattenmeer kann man heute wieder ein Stück jener Ausstrahlung spüren, denen sich schon vor Tausenden von Jahren die Menschen nicht entziehen konnten.

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