Die Kupferkanne wird 50 Jahre alt

Liebe Gäste liebe Freunde,

Wer hätte gedacht, dass ich einmal fünfzig Jahre alt werden würde? Wo doch meine Geburt so schwierig war und ich wirklich lernen musste, standhaft zu werden und meine ersten Gehversuche zu unternehmen. Aber in gesunder Luft und bei heilsamem Klima hab ich mich hochgepäppelt und kann heute auf fünfzig Jahre bewegter Vergangenheit zurückblicken. übel mitgespielt hat mir im Dezember ein gewisser Anatol. Ein gravierender Einschnitt in meinem Leben, er hat mich entscheidend verändert. Jetzt aber geht der Blick nach vorne. Mit neuem Schwung und neuer Frisur geht das Leben weiter. Ich hoffe, ich gefalle Ihnen und versichere: mein äußeres hat sich zwar enorm verändert, aber innerlich bin ich ganz die Alte geblieben, ganz im Dienste meiner Gäste und Freunde.

Acht Tage vor Kriegsende setzte der 35jährige Bildhauer Günter Rieck als Oberleutnant der Kriegsmarine im Hafen von Hörnurn zum ersten Mal einen Fuß auf das Eiland. Als Quartier wurde ihm nach der Kapitulation ein halb in die Erde eingelassener Flakbunker in Kampen neben einem der 800 Hünengräber der Insel zugewiesen. Der Bildhauer grub sich ein Schlafzimmer in die Erde, meißelte ein großes Fenster in die Bunker und hatte ein Atelier, in dem er Vasen aus Wattschlick formte.

Bald kamen die ersten Freunde, die es ebenfalls auf die Insel verschlagen hatte zu einem Glas Wein vorbei. Ernst von Salomon der in einem Bunker nebenan seinen Bestseller "Der Fragebogen" schrieb, Hjalmar Schacht und Schauspieler Matthias Wiemann.

Aus dem Künstler Atelier wurde 1950 ein Künstler Lokal: "Die Kupferkanne". Weit ging von der "Kupferkanne" der Blick über Heide und Watt. Das Innere des alten Bunkers aber verwandelte sich In ein Labyrinth der Behaglichkeit. Verwinkelte Gänge und schmale Stufen führten zu verwunschenen Grotten, die nur von Kerzenlicht erhellt wurden.

nach obennach oben