25jähriges Jubiläum der Kupferkanne 1975

Hurra, Ich habe Geburtstag!

Und da ich eine Dame bin, freue ich mich darüber, daß man meiner so charmant gedenkt! übrigens, ich heiße "Kupferkanne", bin Kampens größte Bar, Kaffeeterrasse und Restaurant am Wattenmeer und bin gerade 25 Jahre alt geworden. Meine Freunde nennen mich heute immer noch mit dem Kosenamen, den man mir in meinen Babytagen gab, ganz kurz nur "Kuka". Eigentlich bräuchte ich mich ja gar nicht vorzustellen, denn mich kennt ja doch jeder, der schon mal von Kampen und Sylt gehört hat. Ach, noch etwas: Eigentlich bin ich gar keine aus der Gattung der "gastronomia ordinarens". Sie können mich ganz beruhigt als Kunstwerk ansehen. Jawohl! Denn mein Vater ist der Bildhauer Günter Rieck, den es 1945 als Marineoffizier (unglückseligen Andenkens ... ) auf die Insel Sylt geschwemmt hat. Mein Vater war ganz begeistert, als ich aus seinem alten Atelier 1949 geboren wurde und man mich mit Flaschenbier (direkt aus der Kiste neben dem Kinderwagen) großzog. So wie mein Papa zu den "angeschwemmten" Insulanern gehört, so gehöre ich seit meiner Geburt eigentlich zu der Gattung der "Ausgegrabenen". Ich war eigentlich schon immer da. Ganz nahe einem der vielen Hünengräber von Sylt hatte man während d es Krieges ein paar Bunkeranlagen gebaut, eigentlich mehr ein Witz als eine "tod" ernste Sache, wie so manches, was mit Politik zu tun hat. Aber für mich war das gut. Laufen lernte ich, als meine direkten Verwandten, die Friesen, mich kurz nach meiner Geburt am liebsten sofort umbringen wollten. Man meinte, ich sei eine billige... - na, Sie wissen schon, und außerdem passe ich nicht in die Familie, pardon in die Landschaft, weil ich schon damals anfing so auszusehen wie man heute eben aussieht wenn man sich ganz nostalgisch aus dem Urgrund seines Seins entwickelt. Das ist Ihnen zu hoch? Na, man könnte auch sagen, dass ich mich aus Sand und Wattenschlick, Findlingssteinen, Schaffellen, aus Strandholz und all dem, was man auf der lnsel Sylt findet, aufbauen lassen habe. Das heißt, aufbauen ist auch wieder nicht der richtige Ausdruck. Ich bin nämlich niemals nach oben gewachsen, sondern stets nach unten! Da staunen Sie, was? Ja, tatsächlich bin ich, wie gesagt, ausgegraben worden! Raum für Raum hat mich mein Papa aus der Erde geschippt und dabei sorgsam darauf geachtet, dass meine empfindliche Haut, ich meine natürlich meine naturgebundene Oberfläche, nicht angegriffen wurde. Dazu kommt noch, dass bei meiner Spezies nichts von alleine wächst, stets muss man ein paar geschickte Transplantationen anwenden, um meinen Oberflächenbewuchs (bei Euch Menschen nennt man so etwas wohl Haare) so ganz zur Entfaltung kommen zu lassen. Und sie wissen ja, man trägt heute lang. Das wusste mein Papa damals schon, denn er tat alles dafür, dass ich wie die "Lady Godiva" heute stolz auf dem Geestrücken der Sylt reite, eigentlich genauso viel anhabe wie die Ladies von einst und trotzdem äußerst züchtig mit meinem Bewuchs alle Blößen verdecke! Ich bin so etwas wie die personifizierte Umweltschützerin. Denn während man auf Sylt lustig wie nie zuvor jede Fläche mit solchen groben Steinbrocken zubaut, die man "Luxuswohneinheiten" nennt, hat mein Vater mir 30.000 (ja, dreißigtausend!) Bäume eingepflanzt, die heute einen recht stattlichen Park ausmachen! Wie ich ohne meinen Bewuchs ausgesehen habe, können Sie sich gar nicht mehr vorstellen. Aber wer erinnert sich bei einer vollbusigen 25jährigen wohl noch an die Blumen der Babyzeit! Nur, was mögen da manche wohl gegen die Bedeckung meiner Blöße gehabt haben, die mir und mich nicht(s) wachsen lassen wollten. Aber so was gibt es ja immer. Denken Sie doch mal an die Damen Ihrer Nachbarschaft und an den dazugehörigen Futterneid. Ist doch ganz klar, wo ein paar Weibsen zusammengewachsen sind, die etwas kesser sind als gewöhnliche Marktfrauen, da gibt es den ganz natürlichen Futterneid, sprich "Eifersucht' auf den Teenager. Sie kennen das ja. Warum sollte das bei mir anders gewesen sein. Sie sehen ja, ich lebe und bin putzmunter.

Aber wenn Sie aus meinen Kinder und Entwicklungsjahren etwas mehr wissen wollen, dann finden Sie hier in dieser "nicht amtlichen Zeitung für Schleswig Holstein" eine kunterbunte Auswahl von Berichten, die ich extra ihretwegen aus meinem Gästebuch genommen habe, um sie Ihnen zu zeigen.

Da steht natürlich alles drin, was ich so in den ersten Tagen erlebt habe. Ganz klar, dass das nicht so glatt ging zu Anfang. 0der haben Sie schon mal ein Kind ohne Schnupfen oder Windpocken gesehen? Lesen Sie doch mal nach, was da alles angestellt wurde mit mir und wie ich dann so nach und nach gewachsen bin.

Wissen sollten Sie dann noch, dass zuerst die oberen Etagen da waren bei mir, die unteren Räume kamen erst später dazu! Da staunen Sie, wie? Ja, das war eben nur ein richtiger Bildhauer, der fängt auch oben am Kopf der Plastik an und geht dann weiter nach unten. Warum also beim Gastronomie Bau nicht genauso! Zugegeben. an mir ist manches anders als an anderen Bauten. Aber sehen Sie sich doch mal Ihre Freundin an. Was sie an ihr lieben ist doch das. was sie von anderen unterscheidet! Tja, das ist nun mal so bei den schönen und kessen Töchtern des Landes! Nicht jeder ist eben so langbeinig mit wohlproportionierten Rundungen ausgestattet und natürlich auch eine gehörige Portion sexy! Ich bin es. Nicht dass ich mir selbst etwas vormache, nöö das nicht Aber ich hab es schriftlich von meinen vielen Freunden, dass das so ist. Oder glauben Sie etwa unserer Prominenz nicht, die sich auf der Gästebuchseite eingetragen hat. Seh'n Sie sich doch mal an, was da so alles bei mir war! Schick nicht? Das ist übrigens heute nicht anders als zu meiner Kinderzeit! Nur so direkt kann ich jetzt im Moment die Leutchen nicht beim Namen nennen. Man will eben doch auch mal ungestört Urlaub machen, ohne sofort von lauter Neugierigen umringt zu sein, die Autogramme haben wollen. Aber wenn Sie gut hinsehen, werden Sie doch den oder jenen erkennen!

Tja, was soll ich Ihnen nun noch von mir erzählen. Sie sehn es ja. ich habe alle Hände voll zu tun, damit meine Freunde zu ihrem Recht kommen. Sie machen sich ja gar keinen Begriff davon, was die alles von mir wollen! Nee, das was Sie denken, natürlich nicht. Das glauben Sie mal nicht, was da so vom "sündigen Kampen" alles erzählt wird. Wir sind alle ganz normal hier! Irgend so ein paar aufgeblasene Schreiber haben da einen ganz schönen Blödsinn angestellt. Wenn bei mir was verlangt wird, dann sind das handfeste Realitäten. Aber was für welche! Der eine verlangt ganz bieder Kaffee und Kuchen, andere wieder die ausgefallensten Feinschmeckereien aus dem Kochtopf unseres französischen Küchenchefs, Whisky aus Schottland, Wein vom Rhein und aus der Camargue, Muscheln aus der Nordsee oder ganz einfach mal ein Bier. Nun denke ich, dass Sie fast alles von mir wissen und das sollten Sie ja auch. Schließlich hat ein Besucher ein gutes Recht darauf, was mit dem Geburtstagskind, das man besucht in 25 Jahren losgewesen ist.

Artikel aus der Zeitung der Kupferkanne anlässlich des 25 jährigen Jubiläums 1975

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